1.Cöthener Castle Cup

Köthen/MZ – Es sieht leicht aus. Man legt den Ball auf ein Stückchen Kunstrasen, stellt sich mit leicht gespreizten Beinen seitlich dazu auf, hält den Schläger mit festem Griff in der Hand, visiert Ball und Ziel an, holt aus – und haut ein Luftloch. Keiner lacht. Ist auch besser so. Golfspielen ist schon schwer, aber Crossgolf ist noch einen ganzen Zacken kniffliger. Des Untergrunds wegen und auch wegen der Hindernisse, die man sonst auf einem Golfplatz niemals finden würde: Fahrräder, Liegestühle, Metallpoller.

Kuriose Ziele

Gerade das aber, beteuern Stefan Richter und Lars Löhder unisono, mache den Reiz von Crossgolf nun einmal aus. Anders gesagt: Sandbunker, Fairways und Grüns schafft am Ende jeder, wenn er nur lange und hartnäckig genug geübt hat – aber den etwas mehr als vier Zentimeter im Durchmesser messenden Golfball ins Maul eines hölzernen Drachens, der halb im Sand verborgen liegt? Oder in den Kofferraum eines Ford Fiesta chippen?

Auf Bahn 9 in Köthen musste man letzteres jedenfalls – numerisch war dies die letzte Bahn, die am Sonnabend beim 1. Cöthener Castle Cup im Crossgolf gespielt wurde. Ein Wettbewerb, der auf das Konto der Inglorious Golfers geht: Eine kleine Truppe von Crossgolfern um Richter und Löhder, die den kuriosen Sport seit einigen Jahren in Köthen betreibt und sich am Sonnabend darüber freuen durfte, dass nicht nur X-Golfer aus anderen Städten den Weg nach Köthen gefunden hatten, sondern dass auch wenigstens vier Köthener ohne jede Golferfahrung mal ausprobieren wollten, ob Crossgolf zu ihnen passen könnte.

Corinna Engelmann und Tochter Lucie zum Beispiel. Sie hatten mitbekommen, dass es diesen Wettbewerb geben würde, als Richter bei der Firma Engelmann die Pokale für das 1. CCC orderte. „Da haben wir uns gedacht, das wäre vielleicht etwas für uns.“ Die endgültige Entscheidung fiel dann am Samstagmorgen, als der Blick zum Himmel bestes Golferwetter versprach.

Über das auch die Organisatoren sich freuten. Zwar ist Crossgolf bei jeder Witterung möglich, wie beteuert wurde, „aber wenn einem nicht noch Regen in die Augen peitscht, ist die Treffsicherheit deutlich höher“, wie es ein Potsdamer Crossgolfer formulierte.

Aber auch im Sonnenschein hat Crossgolfen so seine Tücken. Die 19 Mitspieler – in sogenannte Flights eingeteilt und auf die Bahnen geschickt – mussten auch Überraschungen einkalkulieren: Zum Beispiel, dass am Abschlag von Bahn 7 plötzlich ein Fahrrad im Ständer im Wege stand – und der erste Abschlag von Lars Löhder mit chirurgenartiger Präzision den Kindersitz traf und von dort in eine Rabatte sprang. Was einen Strafschlag kostete, denn das Golfspielen im Schlosspark war schon mit ein paar speziellen Anforderungen verbunden, die geeignet waren, die Teilnehmer schleichend in den Wahnsinn zu treiben. „Wir dürfen hier nur von Abschlagmatten abschlagen“, erläutert Stefan Richter.

Klar doch: Weder frisch gestaltete Wege noch Rasenflächen sollen durch Schläge mit dem Sechser-Eisen oder anderen Golfschlägern beschädigt werden. Wenn der Ball in ein Blumenbeet fällt, wird er nicht herausgespielt, sondern herausgelegt. Ein Strafschlag.

Und daneben lauert immer noch die Bosheit des Schlossgrabens: Der Ball im Wasser gilt als verlorener Ball – macht zwei Strafschläge. Es sei denn, man hat eine Mutter wie Corinna Engelmann an der Seite, die den Ball, den Tochter Lucie baden geschickt hatte, mutig aus dem Schlossteich fischte – und weiter ging’s. Dagegen hatte der Dessauer Thomas Tonndorf Glück im Unglück als er auf der Torhausbrücke den Ball punktgenau gegen den Poller setzte und das Spielgerät nur Millimeter vom Absturz ins Wasser entfernt auf dem Brückengeländer liegenblieb.

All diese Widrigkeiten sorgten aber nicht für Grimm und Gram, sondern für besonderes Amüsement, für gutmütigen Spott, wenn ein Hieb daneben ging, und für anerkennendes Gemurmel, wenn ein besonders schöner Schlag gelang.

Legendäre Geschichten

Und daneben hatte man immer auch Gelegenheit, legendäre Crossgolf-Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel vom Crossgolfen an Schloss Sanssouci. Oder die U-Bahnstation am Reichstag auf der einen Seite runter und auf der anderen wieder rauf – skeptisch beäugt vom Sicherheitspersonal. Oder ein kleines Golfen in der Brandenburger Straße in Berlin um sechs Uhr in der Frühe. Und nun gibt es dank der Inglorious Golfers auch welche aus Köthen.

Dazu zählt sicherlich auch der Umstand, dass die beiden Inglorious Golfer im Highlander-Habitus an den Start gingen.

Der Schottenrock beim Golfen ist aber nicht etwa modisch bedingt (oder nicht nur), sondern verweist auf die Ursprünge des Golfsports, der aus Schottland stammt und von gelangweilten Schäfern erfunden wurde.

hier geht´s zum original Artikel der Mitteldeutschen Zeitung

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